Vor der Erfindung von Schiffsmotoren war das Verlassen eines Hafens oft einer der schwierigsten Teile einer Reise. Es gab mehrere Methoden, die je nach Wind, Strömung und Hafen eingesetzt wurden:
1. Mit günstigem Wind
Wenn der Wind aus der richtigen Richtung kam, setzte das Schiff die Segel und segelte direkt aus dem Hafen. In breiten Naturhäfen war das oft problemlos möglich.
2. Treideln
War kein günstiger Wind vorhanden, wurde das Schiff vom Ufer aus gezogen. Menschen oder Pferde liefen auf einem Treidelpfad entlang des Ufers und zogen das Schiff mit langen Leinen. Das funktionierte vor allem in Flüssen, Kanälen und engen Hafeneinfahrten.
3. Verholen mit dem Anker („Kedging“)
Eine sehr verbreitete Technik:
- Ein kleines Boot brachte einen Anker einige hundert Meter voraus.
- Der Anker wurde dort ausgebracht.
- Die Besatzung zog das Schiff mit der Ankerwinde langsam zum Anker hin.
- Danach wurde der Anker wieder aufgenommen und weiter vorausgebracht.
So konnte sich ein großes Segelschiff auch bei Windstille Stück für Stück fortbewegen.
4. Schleppen durch Ruderboote
In vielen Häfen gab es kräftige Ruderboote oder Barkassen, die große Segelschiffe schleppten. Mehrere Boote arbeiteten gemeinsam, bis das Schiff genügend Platz und Wind hatte.
5. Warten
Oft blieb nichts anderes übrig, als auf den richtigen Wind oder die passende Tide zu warten. Manche Schiffe lagen deshalb Tage oder sogar Wochen im Hafen.
